NACHT OHNE SCHATTEN
Tief unten in der Dunkelheit, dort, wo es auch keine Schatten mehr gibt, weitab dessen, was man Licht nennen mag, bleibt nur noch das essenzielle Echo der eigenen Seelenfrequenz hörbar, fühlbar. Bedrohlich und schützend zugleich.
Dort gibt es nichts mehr, was ablenkt vom ureigenen Selbst. Das Ego tritt aus dem Zentrum, in die Erkenntnis, Glanz wie Blendung seiner eigenen Identität und Bedeutung im Gesamtkomplex des Lebens. Zeit ohne Zeit betritt den Raum ohne Raum.
Tiefe Stille wird gebrochen durch den pulsierend fließenden Rhythmus des eigenen Herzblutes, dessen Sprache wieder erinnert werden muss. Der Odem erzeugt Liederund Klang in der Reibung von einatmen und ausatmen. Harmonie und Kakophonie erklingen im Orchester der Seele, mal dramatisch erschreckend, mal lieblich sanft.
So beginnt die Stille, ohrenbetäubend zu schreien, in den Echowellen der eigenen Existenz. Gedanke und Erinnerung führen den Geist und rufen wach, was längst vergessen geglaubt. An eine Schöpfung, die in jeder Seele selbst beginnt, sobald ihr Stern im Zündfunken der Liebe, im Aufprall der Urkräfte geboren wurde.
Bilderwelten verlagern ihren Focus auf das Kino der inneren Kulisse, sind auf der Suche nach dem magischen Licht des göttlichen Funkens in der Seelenessenz, das vor dem Fallen ins Bodenlose bewahrt, wenn dieses Licht droht, auch Leichen und Gebeine im Scheinwerfer zu beleuchten. Doch weist es auch den Weg, wenn dieser wirklich gesehen werden will, auch wenn er schwierig ist.
Dunkelheit ist alles und nichts. Drama und Magie. Schutzloser Schutz, nackt, tiefster Abgrund und höchstes Potenzial. Tod und Heilung. Chaos und Neuordnung.
In tiefster Dunkelheit wird das Licht neu geboren, wieder und wieder, wenn ihr allerheiligster Raum, ihre Bodenlosigkeit aber auch ihr Potenzial erkannt wird. Angenommen mit dem Kompass des Herzens, der dieser stillen Kraft die Hand reicht.