Leben und Sterben

„Ehre das Leben und ehre das Sterben, denn beides ist heilig“ – Gevatter

„Sterbeprozesse sind die größte Schule des Lebens“ – Gevatterin

Leben und Sterben, Sterben und Leben. Ein Walzer, der sich beständig dreht, ohne das es ihm schwindelig wird. Das Eine bedingt das Andere.

Ein Walzer der Wandlung, ein Walzer der Spiegelungen, ein Walzer der Entwicklung der Seele. Immer und immer wieder, wenn die alte Haut rissig und spröde ist, abgestreift werden muss, weil sie nicht mehr passt. Wenn Neues gelernt werden will. Wenn die nächste Blüte bereit ist, ihre Knospen zu öffnen.

Lebensphase für Lebensphase, Inkarnation für Inkarnation, nachdem der Stern unseres Seelenlichts geboren wurde. Bereit, sich selbst zu entdecken und damit das Leben, die Existenz in all ihren zahllosen Variablen an sich.

In ihren Glanzpunkten, in ihren tiefen Abgründen. In ihrem Licht, ihrer Dunkelheit. In ihren Liebesfilmen und ihren Dramen. In ihrer beständigen Reibung des Dualitätenkabinetts.

In ihren ständigen Übergängen in die eine Richtung und in die Andere. Ins Leben, ins Sterben. In den Abschied, ins Loslassen von Altem, in die Annahme von Neuem. Sie wünschen sich auch Tränen. Tränen der Trauer und Tränen der Freude. Eine Welt ohne Tränen ist eine Welt ohne Herz, weil Tränen das Eis im Herzen schmelzen lassen und Verkrustungen wegspülen.

Begleitet von Gevatter und Gevatterin, im Diesseits und im Jenseits, während wir uns durch unsere Geschichten, Pläne und Erfahrungen arbeiten. Entscheidungen treffen, reflektieren, Verantwortlichkeiten annehmen, Altes abschütteln, weiter gehen. Auf der Suche nach unserem persönlichen Königsweg, der auch das höchste Wohl mit einbezieht. Das Eine bedingt das Andere. Blicken wir vor unsere Füße, sehen wir Mist wie Blüte, und sei sie noch so klein und unscheinbar. Damit auch den Mist, der zur Dünger für die Blüte wird.

Die Konfrontation mit Sterbeprozessen, in welcher Form auch immer, bedingt auch die intensive Auseinandersetzung mit dem Leben und seiner Bedeutung, seinem Wert, seiner Annahme im Kleinen, im Großen. Im Privaten, im Miteinander, im Kollektiv.

Dem Leben begegnen wir im Jetzt, mit jedem Schritt, in jedem gegenwärtigen Augenblick, im Hinsehen mit dem Herzensauge. Es will gelebt, erfahren, gefühlt werden. In der Renaissance der Menschlichkeit und unserer Individualität in der Selbstannahme, im Respekt vor der Würde unseres Gegenübers. In seiner gänzlichen Echtheit.


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