Frieden

Krieg und Frieden. Zwei duale Aspekte des Daseins und immer präsent. Krieg schreit dominant auf über den Aspekt des Friedens, der sich bei aller Sehnsucht danach jedoch sehr zaghaft im Hintergrund aufhält, manchmal gar unerreichbar. Drängt sich jedoch gerade deswegen auf, tiefer hinein zu fühlen.

Vor allem in Kriegszeiten und Nachkriegszeiten mit seinen posttraumatischen Auswirkungen, aber auch in Übergangsphasen des Lebens und des Sterbens, kleinen wie großen Krisen, Entwicklungsprozessen ist der Wunsch danach groß, Frieden zu machen, mit allem was war.

Doch was bedeutet es, Frieden zu haben oder zu machen? Frieden im Außen bedingt den Frieden im eigenen Innen und umgekehrt. Doch ist es angesichts der Variablen des Lebens eine Herausforderung in sich. Der Prozess oder die Prozesse äußerst unterschiedlich, zyklisch und keineswegs unbedingt chic. Viele Faktoren spielen eine Rolle dabei. Tagesenergie, Verfassung, Lebenssituaationen und vieles andere. Mal schaffen wir es, und ein anderes Mal nicht oder noch nicht. Treiben etwas zurück um es aus einem anderen Blickwinkel heraus erneut anzugehen.

Geht einher mit Aufarbeitung und Auseinandersetzung nötiger wie unnötiger Erfahrungen des aktuellen Lebens, wie auch von gesammelten Erfahrungen und Querelen aus vielen Leben, die ihre Spuren in der aktuellen Inkarnation hinterlassen, ohne sich hierbei in Karmalogie zu ergehen. Erfahrungen des Lebens und seiner Biographie im Kontext der Spiegel von Eltern, Blutlinien, Kindern wie auch Weggefährten, Partnern und Beziehungen aller Art.

Mit Blick auf die Endlichkeit von Lebensphasen und Inkarnationen ist Frieden machen ein zuweilen intensiver aber wichtiger Prozess, der immer wieder notwendig und sinnvoll ist und innere Balance und das Leben an sich nährt.m

Frieden machen fordert Ehrlichkeit mit uns selbst, in Dialog und Aussprache, was sich in der Ehrlichkeit anderen gegenüber fortsetzt. Die Möglichkeit, auch unangenehme und peinliche Dinge ansprechen zu können und das was man nicht gerne hören will, auch sich selbst gegenüber mit dem Blick in den eigenen Spiegel. Ein Hinsehen auf Erfolg und Scheitern, auf das Offensichtliche und auf unsere dunklen Keller, auf die Dinge, wie sie sind. Ein Hineinfühlen in Gefühle und Emotionen. Auf den Schmerz, der uns zugefügt wurde, und den wir auch anderen im Laufe unseres Lebens, unserer Leben zugefügt haben. Wünscht sich lachen weinen, zuhören, Vergebung.

Braucht verschiedene Blickwinkel im Sehen und in der Annahme ohne Verpflichtung auf Zustimmung. Die Fähigkeit wie Bereitschaft zu Reflexion und Interaktion, Kommunikation. Echtheit und Menschlichkeit. Gesunde Balance zwischen Nähe und Distanz.m

Es bedeutet nicht, alles gut zu finden, was war. Sondern vielmehr, einen Abschluss damit zu finden, um die Dinge in die Geschichte zu entlassen, in die Vergangenheit, wenn die Lernpunkte und Verantwortlichkeiten daraus erkannt wurden, um ein Wiederkäuen schadhafter Muster zu verhindern und ein Weitergehen zu ermöglichen.

Frieden machen hat auch nichts mit Honig ums Maul schmieren oder gar ein Verweilen in Glückseligkeit zu tun. Zuweilen ergibt er sich aus einer verbalen Backpfeife, aus Reibungspunkten, bei denen alles ungeschönt, offen und klar, aber dennoch mit Respekt zur Sprache, zur Aussprache kommt, um ein Erkennen, eine Handreiche, ein erneuertes aufeinander zugehen zu schenken.

So braucht Frieden auch Raum, Sicherheit und Halt in sich selbst. Selbstgewahrsein und Selbstannahme im Bewusstsein seiner eigenen Verantwortlichkeiten und der Rucksäcke anderer, die man abgeben darf.

Zeit zum Verarbeiten der Dinge, die gesehen wurden. Zeit zum Klären, zum Aufräumen. Zeiträume der Stille für innere Orientierung

Frieden fließt aus der Quelle unseres Herzens und befruchtet neue Wege und Möglichkeiten im Miteinander und im Selbst. Schenkt dem Leben Würde, Blüte und gesunde Entwicklung.


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