Freiheit
Freiheit - das Höchste Gut des Menschen, so banal und doch so schwer zu erreichen. Kostbare Rarität und unbezahlbar. Höchste Kunst des Lebens.
Freiheit - im Willen, im Denken, im Sein – Einst der Ursprung unserer Existenz. Längst vergessen, getreten, überschattet. Freiheit – Bittersüße Sehnsucht. Sehnsucht – nach was eigentlich?
Freiheit?
Freiheit ist schwer zu erreichen, auch wenn die Tür zur Freiheit bereits offen steht. Braucht Mut, die ersten, unsicheren, wackeligen Schritte an ihre Schwelle zu setzen. Braucht Hilfe, Vertrauen und eine sichere Hand, allein den Blick in ihre Größe und Weite halten zu können, verbunden mit einer höllischen Angst, zu fallen und sich in ihr zu verlieren. In ihrer Grenzenlosigkeit, in ihren Möglichkeiten.
Freiheit ist eine hohe Kunst, die völlig neu gelernt werden muss.
Sie ist zuweilen die Sehnsucht nach der alten Sicherheit. Freiheit macht auch Angst. Alles muss neu gelernt und trainiert werden. Muskeln, Sinne, Stimme, Selbstvertrauen.
Freiheit ist auch manchmal eine Bruchlandung. Der Schrei nach Mama und Papa – Hunger, Pipi, kalt… Der Schrei nach jemandem, der einen die Hand reicht, um wieder aufstehen zu können. Der einem die Schulter zum weinen anbietet. Und doch braucht es zuweilen auch Mut, diese Schulter annehmen zu können.
Aber Freiheit ist auch Leidenschaft und Herzblut. Der Wunsch nach immer mehr davon, wenn aus dem Üben eine Melodie wird, die ganz eigene Melodie, die vom Potenzial der Seele singt. Sie singt von allergrößtem Mut, sich zu erlauben, Selbst zu sein, Einzigartig und wertvoll. Sich der großen Angst vor dem eigenen Licht und seinen hervortretenden Schatten zu stellen und der Verantwortung, die damit verbunden ist.
Denn Freiheit ist auch erdrückend, weil sie fordert. Mut und Wahnsinn. Hungrig nach Verantwortung und höchster Ethik. Einer Ethik, die nicht in zahllosen Gesetzen niedergeschrieben ist, sondern auf dem Boden der natürlichen Gesetze des Lebens entspringt.
Denn ihre Kunst steht nicht in Büchern, sie muss mühevoll erlernt werden. Schritt, für Schritt, für Schritt... Nicht selten aus Bruchlandungen, Scheitern und Fehlern. Herausforderungen, Krisen und ihren Chancen, die sich daraus ergeben.
Kein anderer kann das eigene Leben leben, die eigenen Schritte gehen, außer man selbst. So nimmt sie auch die Bürde, Last und Rucksack anderer zu tragen, das ist weder notwendig noch sinnvoll.
Freiheit ist das aufrechte Stehen zu sich Selbst, zu den eigenen Entscheidungen und seinen Folgen, die beglückend wie absolut frustrierend sein können. Die Nulllinie einer Bruchlandung ist bitter. Und doch werden auch mitten im Schmerz und den Tränen des Hinfallens neue Ideen geboren, während sich die Energien neu strukturieren, wenn wir es zulassen. Ein Geheimnis des Lebens ist auch die Annahme des Scheiterns, aus welchem Grund auch immer, und das Aufstehen nach dem Fallen.
Freiheit ist das duale Spiel zwischen der eisernen Disziplin, etwas durchzuziehen, Energien halten und dem Loslassen in der heiligen Narredei, einer ordentlichen Portion Humor – sei es auch manchmal Galgenhumor – und dem fröhlichen Tanz des Lebens selbst, in der gänzlichen Annahme seiner zahllosen Variablen. Zwischen panischer Angst und Urvertrauen.
Freiheit ist der Sprung ins eiskalte Wasser, wo die Zähne klappern und das Herz für einige Momente gefühlt still steht, bis du es wagst, wieder zu atmen.
Freiheit ist auch das Bewusstsein für die eigenen Grenzen – wann wahre ich sie, wann erweitere ich sie, um mich weiter zu entwickeln. Was auch bedeutet, die Grenzen anderer zu respektieren und zu wahren.
Freiheit im Außen beginnt mit der Freiheit im Innen. Das erfordert jedoch innere Sicherheit, inneren Halt, und vertrauen in sich selbst, was zuweilen mit viel Anstrengung erarbeitet werden muss. Denn neue Wurzeln brauchen Zeit, um sie aus dem Samenkorn heraus wachsen zu lassen. Oft ein intensiver Prozess durch alten Schlamm hindurch, bis die Wurzeln den gesunden Boden darunter erreichen, von dem sie sich nähren können.
Freiheit, Sicherheit und Halt im Innen beginnt mit dem Wissen und einem tiefen Gefühl um die eigene Identität, dem Bewusstsein für die eigenen Fähigkeiten, Potenziale und auch seine Schatten. Wenn man sich selbst kennt und die eigene Existenz und ihren Wert annehmen kann, kann man auch Verantwortung dafür übernehmen und in Freiheit aus sich selbst handeln sowie seinen Gegenüber sehen. So verliert ein chaotisches Außen die Macht. Konkurrenzdenken verschwindet und die Kraft und die Formung der eigenen Schöpfung bahnt sich ihren Weg.